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Die Enthüllung der Hülsenfrucht

Aktualisiert: Feb 6

Warum Linse, Bohne und Co. am PULSE* der Zeit sind

*englisch für trockene Hülsenfrucht



Warum heißt die älteste Hülsenfrucht Europas “Saubohne” oder “Pferdebohne”? Was haben Linse und Bohne gemeinsam? Und warum wurde früher mehr davon gegessen? Wir wollen in der Reihe “Die Enthüllung der Hülsenfrucht” verschiedene Zukunftsvisionen für die Hülsenfrucht aufzeigen, mit denen wir den Status Quo ihrer Nutzung in Deutschland herausfordern.


Wenn heute über Bohnen gesprochen wird, ist oft die Rede von Kidneybohne oder Grüner Bohne (Phaseolus vulgaris), die tatsächlich erst mit Kolumbus nach Europa kamen. Vor dem 14. Jahrhundert jedoch war unter dem Begriff Bohne meist von der “Saubohne” (Vicia faba) die Rede. Laut dem Historiker Ken Albala bildete sie gemeinsam mit Erbse und Wicke die Grundlage einer Ernährungswende um das Jahr 1000: Durch wärmere Temperaturen gab es mehr nutzbare Flächen und Zeit zum Anbau. Die von den Römern wiederentdeckte Technik der wechselnden Fruchtfolge mit Hülsenfrüchten ermöglichte eine effektivere Nutzung der Böden: Unterschiedliche Pflanzen geben und nehmen andere Nährstoffe aus dem Boden, und diese werden durch Fruchtfolgen sinnvoll kombiniert. So kann in einem Jahr mehr als eine Pflanze angebaut werden. Ein Beispiel einer solchen sinnvollen Kombination sind Hülsenfrüchte und Getreide. Mit dieser Wiederentdeckung verbreitete sich also die Bohne in Europa: Eine robuste Proteinquelle für viele war gefunden, was zu einem starken Bevölkerungswachstum in der Zeit führte.


Umberto Eco geht sogar so weit zu sagen, die Bohne “rettete die Zivilisation”. Ob wir Universitäten, Kirchen und Aufklärung wirklich der Bohne verdanken, bleibt offen, aber sicher ist: Sie war ein großer Bestandteil der Ernährung Europas [1]. Könnte genau diese Pflanze einen neuen Aufschwung erlangen und in den Augen unserer Zeit wieder neue Wertschöpfung finden?


Doch warum ist sie überhaupt von unseren Tellern und Äckern verschwunden?

Linse, Kichererbse und Stangenbohne gehören mit vielen weiteren Sorten zu einer der größten Pflanzenfamilien, den Hülsenfrüchtlern (auch Leguminosen genannt). Man kann es sich denken, all diese Pflanzen haben gemein, dass ihr Samen in einer Hülse oder Schote reift. Weltweit sind sie auf vielen Tellern zu finden: In Curries in Indien, Pasta e fagioli in Italien, in Tacos in Mexiko bis hin zum Hummus im nahen Osten. Was die meisten nicht wissen: Hülsenfrüchte sind unbekannte Helden auf dem Acker, denn sie teilen die Fähigkeit, Stickstoff aus der Luft im Boden zu binden. Und was bringt uns das?

Stickstoff ist der Hauptbestandteil von Düngemitteln. Die Luft ist zwar voll davon, jedoch in einer anderen Form. Erst seit Anfang des 20. Jahrhunderts, seit die entscheidende technologische Entdeckung gemacht wurde, können wir Stickstoff industriell aus der Luft gewinnen und als Dünger verfügbar machen. Diese Erfindung hat die Art, wie wir Landwirtschaft betreiben, grundlegend verändert. Düngemittel wurden günstig und boten somit eine viel schnellere Möglichkeit, Nährstoffe für die Pflanzen verfügbar zu machen, als zum Beispiel Bohnen dazwischen zu pflanzen. Der Haken: Der Vorgang der Düngemittelproduktion basiert auf Petroleum und ist sehr energieaufwändig. Außerdem wird oft “überdosiert” und dadurch Böden degradiert, das natürliche Bodenleben überfordert und Gewässer und Luft belastet.


Praktisch, dass die Hülsenfrucht als Teil einer Fruchtfolge vieles ganz alleine reguliert. Sie kann ihren Dünger im geschlossenen Kreislauf teilweise selbst produzieren und hinterlässt so den Boden besser für ihre Nachfolger zurück. Durch solch eine Fruchtfolge kann außerdem Humus aufgebaut und Schädlingsbefall reduziert werden - alles doch ganz schön sinnvoll.


Und es geht noch weiter: Hülsenfrüchte verwenden diesen Stickstoff auch, um Proteine zu bilden. Proteine bestehen aus Aminosäuren, und davon gibt es neun, die essentiell für uns Menschen sind, die wir also unbedingt in unserer Ernährung aufnehmen müssen. Um alle neun zu erhalten, müssen wir Hülsenfrüchte gemeinsam mit beispielsweise Reis, Mais oder Getreide essen. Kommt euch die Kombination bekannt vor? Unglaublich, dass wir Menschen so ähnliche Bedürfnisse haben wie der Boden! Die bereits genannten traditionellen Gerichte wie Maistortilla mit Bohnen, Pasta e fagioli, Humus und Pita sind die Ergebnisse langer kultureller Erfahrungen, und erhalten auch diese Weisheit in leckerer Form.


Lecker ist auch die Saubohne: In Italien, Spanien und Ägypten wird sie eher Fava genannt und wird zu Cremes, Eintöpfen und sogar roh serviert. Ganz schön viel Potential in einer Pflanze, die bei uns ihren Platz im Schweinestall findet. Daher wohl auch der Name, denn in Deutschland werden Saubohnen hauptsächlich als Tierfutter angebaut. Das ist ziemlich ineffizient: Für 100 Gramm an Rinder verfütterte Proteine erhalten wir 4 Gramm tierische Proteine [2] zurück. Mit Hilfe der Hülsenfrucht können wir unsere Böden stärken, Erosion vorbeugen, eine lange Esskultur erhalten und gesunde Ernährung und proteinreiche fördern - also raus aus dem Stall und rein in die Küche, diese grün schimmernde “Saubohne” und all ihre Verwandten! Wie sie dort ihren Platz finden kann und warum uns Hülsenfrüchte gesünder machen, beleuchten wir im nächsten Artikel.

1 - Ken Albala, Beans: A History

2 - Explained: Die Zukunft von Fleisch // FAO (2012) Tackling climate change through livestock.


Photo/beans: Flyover Hangover


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